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Grauer Star (Katarakt)

 
   

Das Auge enthält eine Linse aus durchsichtigem, lebendem Gewebe. Sie sitzt in einem so genannten Kapselsack und bündelt die einfallenden Lichtstrahlen, damit auf der Netzhaut ein scharfes Bild entstehen kann.

Ursachen
Verschiedene Ursachen können zur Eintrübung der ursprünglich klaren Augenlinse führen. Dann entsteht ein Grauer Star (Katarakt). Die Katarakt ist zu 90 Prozent altersbedingt. Sie kann etwa ab dem 50. bis 60. Lebensjahr eintreten. Rund die Hälfte aller Menschen zwischen dem 52. und 64. Lebensjahr hat einen Grauen Star. Mit 75 Jahren ist nahezu jeder Mensch betroffen.

Bei der Operation wird die getrübte natürliche Augenlinse entfernt und durch eine Kunstlinse
(= Intraokularlinse) ersetzt. Sie ist die weltweit am häufigsten am Menschen durchgeführte Operation. Alleine in Deutschland wurden im Jahr 2001 580.000 Operationen durchgeführt.

Trotz der künstlichen Augenlinse ist in der Regel eine zusätzliche Sehhilfe erforderlich, um die Sehschärfe an Nähe und Ferne anpassen zu können.


Hightech-OP des Grauen Stars

 

Die Operation des Grauen Stars wird häufiger durchgeführt als eine Blinddarmoperation. Sie erfolgt vorwiegend ambulant oder in Ausnahmefällen während eines Krankenhausaufenthaltes. Nahezu immer ist eine lokale Betäubung möglich.

Bei der meist ambulanten Staroperation wird nicht mehr die gesamte Linse aus dem Auge entfernt, die Linsenkapsel wird nach Möglichkeit belassen. Bei der Phakoemulsifikation – der häufigsten Form der Star-Operation – wird über einen nur etwa 2,2 mm kleinen Schnitt die Linsenkapsel vorne scheibenförmig geöffnet, Linsenkern und -rinde werden entfernt. Die trübe und harte Linse wird zunächst mittels Ultraschall und Oscillation zerkleinert und dann durch Absaugen entfernt.

Dann schiebt der Operateur in den nunmehr leeren Linsenkapselsack entweder eine gefaltete künstliche Speziallinse (torische oder Multifokal-Linse) ein oder er vergrößert den Schnitt etwas und setzt eine Linse aus hartem Plexiglas ein. Je kleiner der Schnitt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch Hornhautverkrümmung eine Fehlsichtigkeit (Astigmatismus) entsteht.

Die weiche Linse entfaltet sich sanft im Augeninneren, wo sie mit Hilfe von kleinen, elastischen Bügeln verankert wird. Heute werden standardmäßig faltbare Kunstlinsen mit UV-Filter implantiert.

Zudem gibt es zahlreiche Speziallinsen, z. B. die torische Linse zum Ausgleich von Hornhautverkrümmungen, die Multifokal-Linse zum Ausgleich der Altersweitsichtigkeit und die implantable Kontaktlinse zum Ausgleich von hohen Kurz- oder Weitsichtigkeiten.

Die Star-Operation besteht aus zwei Schritten
  • Im ersten Schritt wird die getrübte Linse entfernt (Phakoemulsifikation).
  • Im zweiten Schritt die Kunstlinse (Intraokularlinse) eingesetzt.

Kleine Linsen, große Wirkung

 

Während früher bei einer Katarakt-Operation die natürlichen Augenlinsen einfach gegen eine künstliche Intraokularlinse ausgetauscht wurde, gibt es heute immer mehr, immer speziellere Linsentypen.
Beim Grauen Star (Katarakt) trübt sich die ursprünglich klare Augenlinse im Auge von Jahren ein, bis eine Operation nötig ist, um eine Erblindung zu verhindern. Praktisch alle Patienten können heute mit Intraokularlinsen (IOL) versorgt werden und sie vertragen sie auch ausgezeichnet. Die Linsen müssen nicht wie andere Körperimplantate einheilen; die verwendeten Materialien sind sehr haltbar. Eintrübungen, die früher vereinzelt auftraten, sind bei den modernen Linsentypen nicht mehr zu erwarten. Die Vielfalt der künstlichen Linsen wird ständig größer, Neu- und Weiterentwicklungen bringen enorme Fortschritte.

Zur Herstellung der Linsen werden unterschiedliche Materialien verwendet, z.B. verschiedene Acrylate oder Silikone.

Einige übliche Intraokularlinsen haben an ihrem Hinterrand eine scharfe Kante. In Studien wurde nachgewiesen, dass die Kante vor dem Nachstar schützt.

Dieser ist eine recht häufige Folge einer Katarakt-Operation bei der sich die Sehschärfe allmählich verschlechtert, weil sich die hintere Linsenkapsel eintrübt – ein kurzer Lasereingriff ist dann nötig.

Bei älteren Menschen nimmt die Kontrastempfindlichkeit ab, die Blendempfindlichkeit hingegen zu. Sie können die so genannte sphärische Aberation nicht mehr ausgleichen. Diese führt zu einem Abbildungsfehler auf der Netzhaut und beeinträchtigt das Sehvermögen. Zum Ausgleich dieser Brechungsstörungen wurde eine Kunstlinse mit geänderter Oberflächengestaltung auf der Vorderseite entwickelt. Aktuelle Studien zeigen, dass Patienten mit diesen Linsen Hell-Dunkel-Kontraste besser wahrnehmen.

 

Katarakt-Speziallinsen

 

Früher konnten Patienten mit künstlichen Linsen nicht in die Nähe und in die Ferne scharf sehen. In der Regel sind IOL auf das Sehen in die Ferne oder für eine mittlere Distanz eingestellt; für die jeweils anderen Entfernungen braucht man eine Brille. Seit einiger Zeit stehen aber auch Mehrstärken-Intraokularlinsen (MIOL) zur Verfügung, mit denen man in allen Entfernungen zum Teil auch ohne Brille recht gut sehen kann. Während vor einigen Jahren noch diskutiert wurde, ob eine solche Linse überhaupt sinnvoll sei, geht es mittlerweile eher darum, welche MIOL für welche Patienten am geeignetsten erscheint.

Problematische Aspekte wie eine etwaige Abweichung von der Zielfraktion, Sicherheit oder Funktionalität werden immer besser gelöst.

Im Rahmen einer Katarakt-Operation kann ein vorher bestehender Astigmatismus ausgeglichen werden. Ein Problem dabei ist die Rotation der Linse im Rahmen der Kapselsackschrumpfung, da schon eine Drehung bzw. Abweichung von der Zielachse um 15 Grad den astigmatischen Effekt der korrigierenden „torischen“ IOL um die Hälfte reduziert. Nun gibt es neue Linsen, bei denen durch spezielles Design, zum Beispiel eine z-förmige Halteschlinge oder ein Schiffchenform, die Rotation stark vermindert wird.

Nach wie vor ist bei Katarakt-Operationen eine exakte Aussage über die Brechungsverhältnisse der Augen nach dem Eingriff nicht möglich. Dies trifft vor allem bei Patienten zu, die sich schon einmal laserchirurgisch behandeln ließen. Abhilfe verspricht hier eine Innovation, die sich LAL-IOL nennt. Diese „light adjustale lenses“ können zwei bis vier Wochen nach der Katarakt-Operation noch in ihrer Sehstärke verändert werden. Eine kurzwellige UV-Bestrahlung löst chemische Prozesse aus, die die Stärkenänderung bewirken. Theoretisch sind Brechkraftveränderungen von mehreren Dioptrien erreichbar, Über- und Kurzsichtigkeit korrigierbar. Praktisch befinden sich diese Linsen jedoch noch im klinischen Erprobungsstadium.


Clear Lens Extraktion

 
   

Bei der Phakoemulsifikation wird über einen nur etwa 2,2 mm kleinen Schnitt die Linsenkapsel vorne scheibenförmig geöffnet. Die Linse wird zunächst mittels Ultraschall zerkleinert und dann durch Absaugen entfernt. Der Operateur schiebt in den nunmehr leeren Linsenkapselsack eine gefaltete künstliche Speziallinse (torische Linse = Astigmatismus-korrigierend oder Multifocal-Linse).

 

Sehen – nach der Operation

 
Ein gesundes Auge kann in verschiedenen Entfernungen scharf sehen. Mit dem Älterwerden wird die natürliche Linse hart und trübe. Wird die natürliche Linse durch eine herkömmliche Kunstlinse ersetzt, kann der Patient in der Regel nur in eine Entfernung scharf sehen – meistens in die Ferne. Die Augenmuskeln können die Augenlinse nicht mehr verformen. Dadurch kann der Kataraktpatient nicht mehr in der Nähe und der Ferne scharf sehen.

Eine Neuentwicklung dazu ist die akkommodierbare Kunstlinse. Sie ermöglicht in den meisten Fällen das scharfe Sehen in unterschiedlichen Entfernungen.

Die neue akkommodierbare Kunstlinse ist im Auge entfaltet ca. 9,5 mm groß. Die Operation ist wenig belastend, es treten nur äußerst selten Komplikationen auf. Sie ist so gebaut, dass sie durch die Augenmuskulatur kontrolliert verformt werden kann. Ihre Funktionsweise ist nahezu identisch mit der intakten natürlichen Augenlinse. Der Patient kann in der Regel in der Nähe und der Ferne wieder scharf sehen.


Das Ergebnis

 

Mit der neuen Multifokallinse sehen die meisten Patienten wieder in unterschiedlichen Entfernungen ohne Brille oder Kontaktlinse. Speisekarten, Fahrpläne und die Zeitung können sie wieder mühelos lesen.

Die Multifokallinse entspricht den hohen Sicherheitsanforderungen für Medizinprodukte.

Fazit: Vieles ist möglich, viel ist getan aber so manches muss noch weiterhin erforscht und entwickelt werden. Es bleibt spannend.

 

Blaues Licht

 

Die Möglichkeit, dass sichtbares Licht die menschliche Netzhaut schädigen kann, ist schon seit fast hundert Jahren bekannt. Besonders das energiereiche blaue Licht kann die Netzhaut und das retinale Pigmentepithel irreversibel schädigen. Die menschliche Linse absorbiert mit zunehmendem Alter vermehrt blaues Licht und hält es so von der Netzhaut fern.

Durch die Kataraktoperation wird der natürliche Blaulichtfilter entfernt. Wenn durch die Kataraktoperation die natürliche Linse und damit der „natürliche“ Schutzfilter entfernt wird, sollte das Auge dem schädlichen Einfluss des Blauen Lichts nicht schutzlos überlassen werden.

Eine neue gelbe Intraokularlinse verfügt neben dem üblichen UV-Lichtfilter über einen zusätzlichen Blaulichtfilter. Dieser soll den natürlichen Blaulichtfilter der menschlichen Augenlinse – eine im Alter zunehmende gelbe Pigmentierung, die bei einer Katarakt-Operation unfreiwillig mit entfernt wird – ersetzen und so die Netzhaut und das Pigmentepithel schützen. Denn auf der Netzhaut befinden sich zahlreiche Moleküle, so genannte Photosensibilisatoren, die durch energiereiches UV- und blaues Licht aktiviert werden und schädliche oxidative Prozesse auslösen können.

Eine Langzeitstudie legt einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Katarakt-Operation und altersbedingter Makuladegeneration (AMD) zumindest nahe.

Inzwischen gibt es Intraokularlinsen, die neben UV-Lichtfilter über einen zusätzlichen Blaulichtfilter verfügen, die den Anteil des Blauen Lichts deutlich reduzieren, ohne die Qualität des Seheindruckes zu verändern.